(An das Fenster fliegt ein Schmetterling
Der Schmetterling gilt seit jeher als Symbol der Verwandlung und der Auferstehung.
und flattert an der Fensterscheibe chaotisch herum. Toneinspielung Nachtfalter. Das Mädchen wacht von dem Geräusch auf und blickt zum Fenster.)
Mädchen (reckt sich und denkt noch ihrem Traum nach. Ruhig und schläfrig)
Und du weißt nicht mal warum:
Das erste Licht weckt dich,
du jagst ihm entgegen,
das Weiße zieht magisch an.
Und dann ...
Was ist das?
Eine Wand?
Unendlich glatt, undurchdringlich.
Doch nichts zu erkennen,
wie nicht vorhanden.
Gestrandet bist du am Fensterglas
Die Glasscheibe, an die der Schmetterling - ohne sie wahrzunehmen und zu begreifen - stößt und nicht weiterkommt, symbolisiert die Beschränkung unserer Erkenntnismöglichkeiten. Die Fensterglas- Metapher korrespondiert auch mit dem Bild des Prismas, hinter dem sich - aus dieser Perspektive - die allumfassende Weisheit befindet. Doch der Blick durch das Prisma läßt nur Farben, nicht das Licht zum Vorschein kommen.
Letzte Kraft bietest du auf,
aber zwecklos: Hier endet dein Höhenflug.
Bald liegst du da, leblos, vertrocknet,
alles riskiert für das Unerreichbare.
Wahnsinn, dem nachzujagen.
Der Monolog des Mädchen thematisiert das cusanische Motiv der "Jagd nach Weisheit", hier freilich noch unter negativem Vorzeichen.
(Sie schläft wieder ein und träumt weiter.)