C u s a n u s - Oper

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Anmerkungen

Szene VI – Der Laie und der Philosoph

(Text: Inigo Bocken)

(Der Löffelschnitzer und der Akademiker gehen gemeinsam nach Hause. Es beginnt, dunkel zu werden. Man sieht sie plaudern, ab und zu auch lachen. Im Hintergrund die Porta Nigra, die Mosel, dann ein fremder Fluss - Amazonas? Nil? - Die beiden kommen zu einem orientalischen Markt mit Händlern und Schlangenbeschwörern. Das Mädchen und Julianus tanzen einen orientalischen Tanz, die Landschaft ändert sich, ein indischer Tempel.)

Chor
Sapientia foris clamat in plateis.

Anmerkung

"Die Weisheit ruft auf den Straßen". Vgl. Szene 1

(Der Löffelschnitzer und der Philosoph begegnen dem buddhistischen Mönch wieder, während er in tiefer Meditation versenkt in einem Kieselgarten sitzt. Man trinkt grünen Tee im sanften Licht des Sonnenuntergangs. Der Philosoph versucht, eine ähnliche Meditationshaltung einzunehmen, doch es gelingt ihm nicht.)

Löffelschnitzer und Chor
Etiam si mille annis
unus alium imitari studeret in quocumque,
numquam tamen praecisionem attingeret.

Anmerkung

"Über die belehrte Unwissenheit" (II c. 1, n. 94): "Auch wenn einer tausend Jahre versuchte, einen anderen in irgendeiner Sache nachzuahmen, er würde doch niemals eine wirkliche Genauigkeit erreichen."

(Die Szene wechselt, der Löffelschnitzer ist allein mit seinen Geräten und Instrumenten. Er setzt sich hin und fängt an, einen Löffel zu schneiden. Ein Kunde schaut ihm neugierig zu und kauft einen Löffel.
Auf der Seite sitzen das Mädchen und Julianus an einem kleinen Tisch auf dem Markt, essen Meeresfrüchte und trinken dazu frischen Weißwein. Sie sind wie Touristen gekleidet – mit Jeans und T-Shirt o.ä., ganz zwanglos. Es sieht aus wie Flitterwochen. Sie machen Späße miteinander. Das Mädchen ärgert Julianus mit einem roten Flusskrebs und versucht ihn mit den Scheren zu zwicken. Er bedient sich bei den Austern und schlürft sie genussvoll. In einer der Austern steckt eine Perle. Julianus präsentiert dem Mädchen stolz seinen Glücksfund und schenkt ihr die Perle. Sie lacht, springt auf und geht zu dem Löffelschnitzer. Sie kauft einen Löffel als Souvenir und bezahlt ihn mit der Perle. Der Schnitzer bedankt sich höflich; das Mädchen macht alberne Gesten mit dem Holzlöffel zu Julianus in dem Sinne „die Weisheit mit Löffeln gefressen!“. Lachend verlassen sie Arm in Arm den Markt.)

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© 2007  August Herbst &  Institut für Cusanus-Forschung, Trier