C u s a n u s - Oper

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Anmerkungen

Intermezzo II – Die Hochzeit

(Text: Peter Larsen)

(Dunkelheit. Nur aus der Kristallkugel leuchten alle Farben und strahlen in den Raum.)

Stimme (des Mädchens als Toneinspielung)
Eins ist nicht wie das Andere,
auch ist das Eine nicht das Andere.
Das Eine ist der Eine ist die Eine ist das Eine.
Und alles liegt darin,
alle Wirklichkeit,
alle Möglichkeit,
innen verbunden.
Das, was ich sehe
liegt wie entfaltet
in schillernden Farben
vor meinen Augen.
Das, was ich nicht sehe,
die strahlende Weisheit,
liegt verborgen, eingefaltet,
in einem zugeschlagenen Buch.

Mädchen (kommt in einem weißen Kleid mit zartem Stoff aus dem Dunkel von hinten und blickt auf den farbig-leuchtenden Kristall. Die Stimme kommt weiter als Toneinspielung. Man hört, was sie denkt.)
Wie alle Farben aus dem Weißen herkommen

Anmerkung

Die Metapher des Weißen, aus dem alle Farben kommen, ist hier wieder, wie im Prolog, als Verweis auf das unsichtbare Licht als Quelle der Farben zu verstehen. Der gesamte Text des Mädchens dokumentiert die Entwicklung von der fragend- skeptisch- negativen Haltung des Eingangs zu einer fragend- bejahend- positiven Haltung am Schluß. Damit verdeutlich sich der Umschlag im Verständnis menschlicher Erkenntnis von einer defizitären zu einer kreativen Fähigkeit.
und ich in jeder Abstufung
den Ursprung noch spüre,
so ist alles und jedes
Teil des Ganzen
und zugleich das Ganze.
Das Eine ist das Ganze,
so wie das Ganze im Einen ist.
Mir war lange nicht klar,
ob man dies sichtbar machen könnte.
Sieh nur, sagte ich mir, sieh nur mit den Augen der Liebe.
Denn die Liebe strebt, ohne den Gewinn zu berechnen.
(Das Mädchen hebt die Kristallkugel vom Boden auf,
sie beginnt in strahlend weißem Licht zu leuchten.)

Das lernte ich von einem Schmetterling am Morgen.
Er strebte zum Licht,
ließ sich locken von dem strahlenden Weiß,
weil er wusste,
dass es Ursprung und Ziel zugleich war.
Die große Liebe.

Erster Tanz (Solo Mädchen)
(Das Mädchen tanzt allein mit der weiß-leuchtenden Kugel.)
Musik: Guillaume Dufay

Anmerkung

Guillaume Dufay (1397-1474) war ein flämischer Komponist, Sänger und Musiktheoretiker. Er gilt als Begründer der niederländischen Schule und war zusammen mit John Dunstable und Gilles Binchois einer der Altmeister der Musik des 15. Jahrhunderts. 1428 wurde er zum Priester geweiht. Von 1428 bis 1433 und von 1435 bis 1437 war er Mitglied der päpstlichen Kapelle in Rom bzw. Florenz. 1436 komponierte er eines seiner berühmtesten Werke, die Motette "Nuper rosarum flores", die anläßlich der Weihe von Brunelleschis Kuppel des Doms zu Florenz (dort lebte Papst Eugen IV. im Exil) aufgeführt wurde. Der Motette liegt ein differenzierter Zahlenplan zugrunde, in dessen Zahlenwerten biblische und außerbiblische religiöse Bedeutungen aufgehoben sind. Unter anderem entsprechen die Proportionen der Teile der Vokalkomposition den in der Bibel genannten Proportionen des Salomonischen Tempels. – In dieser Umgebung könnte er auch Cusanus kennengelernt haben oder mit seinen Schriften / Gedanken in Berührung gekommen sein. Er starb in Cambrai im Alter von etwa 77 Jahren. Seine Musik markiert mit ihrer Klangfülle den musikalischen Stil um die Mitte des 15. Jahrhunderts, in dem die Gleichberechtigung aller Stimmen im polyphonen Satz erreicht ist.  (1397–1474): Rondeau „Helas, ma dame“ (Instrumental)
(Toneinspielung: Ensemble Tetraktys – Olive Music 005)

(Am Ende erscheint Julianus mit Brustpanzer und Kettenhemd. Beide stellen sich gegenüber und blicken sich verliebt an. Das Mädchen hält die Kugel zwischen sich und Julianus. In dem Augenblick wenn Julianus die Hand an die Kugel legt und damit die Verbindung zu dem Mädchen herstellt, erscheint Cusanus von hinten aus dem Dunkel wie im Prolog mit dem roten Hut und hält - als Dritter - segnend seine Hände über die leuchtende Kugel. Vermählung.

Anmerkung

Die Szene ist eine Anspielung auf eine "unio mystica" als dem Ziel des Erkenntnisweges, der traditionell durch die Stufen der Reinigung, der Erleuchtung und der Vollendung geht. )

Cusanus
Der Eine ist die Eine ist das Eine.
Unzählige Namen
und doch immer nur einer

Anmerkung

Die Philosophie der Namen, gemäß der kein einziger Name Gott wirklich erreicht, aber alle mehr oder minder gut Aspekte von ihm ausdrücken, ist ein Spezifikum cusanischen Denkens.  :
Der Eine ist die Eine ist das Eine.
Seid eins!

(zu dem Mädchen)
Sapientia!

(zu Julianus)
Schwebt hinein.

(Nach diesem Ritual berühren sich das Mädchen und Julianus. Cusanus mit der Kugel nach hinten ab.)

Zweiter Tanz (Pas de deux Mädchen – Julianus)
Musik: Guillaume Dufay (1397–1474): Ballade „J’ais mis mon cuer“
J’ay mis mon cuer et ma pensee,
Sachiés de vray certaynement,
A vous servir, dame honnouree,
Belle, bonne aus vis cler et gent,
Et vous jure par mon serment:
Tant que mon corps aura duree,
En chascun lieu diray vrayment
Que vous estés la mieuls paree

Anmerkung

"Ich habe mein Herz und mein Denken, / wisset es wahrhaftig gewiß, / um euch zu dienen, verehrte Dame, / Schöne, gute mit klarem und freundlichem Blick, / und ich schwöre euch mit meinen Eid: / Solange mein Körper Dauer habe, / Werde an jedem Ort ich sagen wahrhaftig, / daß ihr die schönste seid." .

(Kurze Bewegungslosigkeit. Das Mädchen und Julianus sehen sich verliebt und glücklich an.)

Dritter Tanz (Pas de deux Mädchen – Julianus)
Musik: Guillaume Dufay (1397–1474): Rondeau „Dona i ardenti rai“
Dona i ardenti ray di vostri occhi suavi
Che de mi tien le chiavi,
M’infiamma’l petto
a vera gentilezza.
Le fiamm’ardenti ch’ay
Nelli occhi, nel bel fronte
Son le cason inpronte
Ch’el cor me avesse
A seguir tant’altezza.
Dona i ardenti ray etc. ...

Anmerkung

"Schenke mir das Sonnenlicht deiner süßen Augen, / weil du den Schlüssel zu meiner Brust hast. / Du entflammst mein Herz zu wahrem Freundschaftsbund. / Das brennende Feuer, das du / in den Augen und auf dem Angesichte hast, / ist das klare Zeichen, / dem mein Herz zu folgen hat, / wenn es in die höchsten Höhen gelangen will."
(Black.)

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© 2007  August Herbst &  Institut für Cusanus-Forschung, Trier