Die Mathematik nimmt im Denken des Cusanus in dreifacher Hinsicht eine zentrale Stellung ein. Sie ist ihm Mittel zur Gotteserkenntnis, Mittel zur Selbsterkenntnis und Mittel zur Welterkenntnis.
Fritz Nagel, Nicolaus Cusanus und die Entstehung der exakten Naturwissenschaften.
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Der Lehrplan für den Philosophie-Unterricht in der gymnasialen Oberstufe sieht für die Jahrgangsstufe 13 als thematischen Block die Grundfragen der Wissenschaftstheorie vor. Zwei Elemente dieses Bereichs werden von der hier entworfenen Unterrichtseinheit aufgegriffen. Einerseits ist das die Frage „Wie wissenschaftlich ist die Wissenschaft?“ und andererseits „Wie gehen die Naturwissenschaften methodisch vor?“.
An Hand verschiedener Passagen und Gedanken des Werks von Nikolaus von Kues soll die heute herrschende strenge Dichotomie zwischen Natur- und Geisteswissenschaften hinterfragt werden.
Dabei wird zunächst einmal mittels ausgewählter Passagen aus „Idiota de staticis experimentis“ gezeigt welchen Beitrag Nikolaus von Kues zur Entstehung der modernen Naturwissenschaft und ihrer Methoden geleistet hat.
Im Anschluss daran wird mittels eines Kapitels aus „De beryllo“ aufgezeigt, welchen Stellenwert Mathematik für Nikolaus von Kues in seinem philosophisch-theologischen Werk hat und warum er sich gerade für mathematische Bilder entscheidet, anstatt beispielsweise einen intuitiv-mystischen Zugang zu wählen.
Am Ende wird mit Beispielen aus „De docta ignorantia“, dem Hauptwerk des Nikolaus von Kues, gezeigt, wie sich mathematische Aenigmata für Gottesspekulationen benutzen lassen. Hier werden auch verblüffende geometrische Beispiele erläutert, die Cusanus benutzt und die die Denkgewohnheiten des Einzelnen herausfordern.
Zwei Dinge sind uns über die Anknüpfung an den Lehrplaninhalt hinaus wichtig für diesen Entwurf einer Unterrichtseinheit. Einerseits sollen Schüler möglichst früh an den Umgang mit philosophischen Primärquellen, auch aus früheren Jahrhunderten, herangeführt werden. Andererseits soll aber auch im Hinblick auf die Philosophiegeschichte ein neues Bild des Denkens des 15. Jahrhunderts vermittelt werden, das von heute aus häufig vernachlässigt und gering geschätzt wird.
Im Folgenden findet sich eine Art Skript für mehrere Unterrichtsstunden, die in der hier wiedergegebenen Reihenfolge das oben ausgeführte inhaltliche Konzept umsetzen. Weiterhin sind hier auch die geplanten Ausschnitte aus den Werken des Nikolaus von Kues abgedruckt, sowie im Anhang einige Grafiken mit Erläuterungen, die als Overheadfolien im Unterricht eingesetzt werden können, um die zu besprechenden cusanischen Gedanken zu visualisieren.
Trier, im Juni 2007
August Herbst &
Institut für Cusanus-Forschung, Trier